Tabakerhitzer oder E-Zigarette – was ist die überlegene Technologie?

Der Drogen- und Suchtbericht der Deutschen Bundesregierung klärt auf

Rauchen TabakzigaretteDass Rauchen der Gesundheit schadet ist kein Geheimnis. Die individuellen und gesellschaftlichen Schäden durch das Rauchen sind enorm. Raucherinnen und Raucher verlieren durchschnittlich in etwa zehn Jahre ihrer kostbaren Lebenszeit. In Deutschland sterben somit jährlich über 120.000 Menschen frühzeitig an den Folgen des Tabakrauchens.

Auch das Passivrauchen kann weitreichende gesundheitliche Konsequenzen haben. Trotz aller bekannten Gefahren beträgt der Anteil der Menschen, die in Deutschland regelmäßig zum Glimmstängel greifen, bei Frauen immer noch satte 21 Prozent und bei Männern gar 27 Prozent. Dies zeigt das große Suchtpotential, das vom Rauchen ausgeht.

In den letzten Jahren drängen nun vermehrt neue Produkte zur Nikotinaufnahme wie Tabakerhitzer und E-Zigaretten auf den Markt, die eine geringere Schadstoffexposition versprechen. Doch wie steht es hier mit den gesundheitlichen Risiken und dem Suchtpotential? Diesen Fragen ist der diesjährige Drogen- und Suchtbericht der Deutschen Bundesregierung nachgegangen.

Auch die Tabakzigarette wurde seit Jahrzehnten optimiert

Auch die Tabakzigarette hat bereits eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. Angesichts der seit Jahrzehnten bekannten zahlreichen Gefahren, die vom Rauchen ausgehen, versuchten Tabakkonzerne schon früh die gesundheitlichen Risiken des Rauchens zu minimieren. So wurden stetig neue Verfahren zur schonenderen Fermentierung des Tabaks und effektivere Filtersysteme entwickelt, welche die Schadstoffe aus dem Aerosol herausfiltern sollten. Auch das verwendete Zigarettenpapier wurde grobporiger und leichter gestaltet, um beim Verbrennen weniger Schadstoffe zu produzieren.

Durch diese Maßnahmen konnte der Schadstoffausstoß bei Tabakzigaretten schon während der letzten Jahrzehnte deutlich gesenkt werden. Doch die technischen Möglichkeiten zur weiteren Minimierung der gesundheitsschädlichen Emissionen beim Tabakrauchen wurden zunehmend ausgeschöpft und so erreichte diese zunächst sehr positive Entwicklung bereits vor längerer Zeit ihr jähes Ende.

Zentrales Problem hierbei war, dass Großteile der gesundheitsschädlichen Stoffe beim Rauchen unwillkürlich durch die große Hitze beim Verbrennungsprozess entstehen.

Beim konventionellen Rauchen gibt es jedoch nur sehr begrenzte Möglichkeiten die Verbrennungstemperatur effektiv zu senken. Die Temperatur der Glut einer Zigarette beträgt bis zu 900 °C, wodurch der Tabak verbrennt und ein Aerosol freisetzt, das aus über 4800 Verbindungen besteht, wovon wiederum 89 als gesundheitlich gefährlich eingestuft werden.

In den letzten Jahren haben sich nun glücklicherweise verschiedene, in vielerlei Hinsicht gänzlich neue technologische Alternativen zur herkömmlichen Tabakzigarette entwickelt.
 
So stehen dem Raucher heute neben Nikotinersatzprodukten wie Kaugummis und Pflastern auch elektronische Zigaretten und sogenannte Tabakerhitzer zur Verfügung, die einen Rauchstopp erleichtern sollen. Vor allem letztere haben sich in der Unterstützung eines Rauchstopps als besonders hilfreich bewährt und weisen im Vergleich zu Pflastern und Kaugummis eine doppelt so Erfolgswahrscheinlichkeit auf.
 
Doch was ist der Unterschied zwischen Tabakerhitzern und E-Zigaretten und wo liegen die jeweiligen Vor- und Nachteile?

Der Tabakerhitzer – eine schonende Möglichkeit Tabak zu konsumieren

Tabakerhitzer sind batteriebetriebene Geräte, die durch elektrisches Erhitzen von Tabak nikotinhaltige Emissionen erzeugen. Tabakerhitzer heizen den Tabak in sogenannten Tabaksticks mittels eines elektrischen Heizstabs auf zwischen 250 und 350 °C auf.

Die im Vergleich zu herkömmlichen Tabakzigaretten deutlich niedrigere Temperatur resultiert in einer ebenfalls stark verminderten Schadstoffproduktion. Diese technische Möglichkeit einer schonenderen Erhitzung des Tabaks erlaubt es folglich, die Produktion kanzerogener, also krebserregender Substanzen der Tabakerhitzer im Vergleich zu Tabakzigaretten nachweislich um mindestens 80% zu reduzieren.

Die Nikotinfreisetzung ist hingegen weiterhin mit einer konventionellen Tabakzigarette vergleichbar. In Deutschland kam der erste Tabakerhitzer bereits im Jahre 2016 in den Handel. Dieses erste Modell wurde noch sehr technisch und wenig kundenfreundlich als Tabakerhitzer THS 2.2 (Tobacco Heating System 2.2) bezeichnet. Mittlerweile hat auch Phillip Morris als großer Tabakhersteller ein vergleichbares Produkt mit dem für Endkunden deutlich attraktiveren Namen IQOS auf den deutschen Markt gebracht, welches sich zunehmend großer Beliebtheit erfreut. Die Konsumenten solcher Tabaksticks inhalieren demnach, wie beim Rauchen, das durch Erhitzung (nicht Verbrennung) des Tabaks entstehende, nikotinhaltige Aerosol. Dieses enthält nach wie vor zahlreiche krebserregende Schadstoffe, die auch beim Rauchen einer konventionellen Zigarette freigesetzt werden, jedoch in deutlich geringeren Mengen.

Die E-Zigarette – ganz ohne Tabak geht es auch

E-ZigaretteDie E-Zigarette ist die derzeit in der Praxis am meisten verwendete Methode zur Unterstützung der Tabakentwöhnung. Bei E-Zigaretten wird hingegen kein Tabak, sondern sogenanntes E-Liquid erhitzt. Diese Flüssigkeiten bestehen aus verschiedenen, auch in der Lebensmittelindustrie verwendeten Stoffen, wie dem Propylenglykol und dem vegetarischen Glycerin sowie zumeist natürlichen oder naturidentischen Aromastoffen und bei Bedarf Nikotin.

E-Liquids werden folglich in einem Tank oder Depot einer E-Zigarette gelagert und mithilfe eines sogenannten Verdampferkopfes, welcher aus einem Heizdraht und Watte besteht und von einem elektronischen Akkuträger oder Mod angetrieben wird, verdampft.

Bei E-Zigaretten ist der Schadstoffausstoß im Vergleich zu herkömmlichen Tabakzigaretten nachweislich um bis zu 95% reduziert. Tabakerhitzer und E-Zigaretten scheinen also einen klaren gesundheitlichen Vorteil gegenüber der herkömmlichen Tabakzigarette zu bieten. Doch wie schneiden diese beiden neuen Technologien im direkten Vergleich untereinander ab? Bei welchen Geräten ist ein stärkeres Gefahrenpotential zu erwarten? Welche Technologie zeigt ein höheres Gesundheitsrisiko? Und gibt es auch Unterschiede hinsichtlich eines Sucht- und Abhängigkeitspotentials? Verlässliche Antworten auf diese Fragen versucht der aktuelle Drogen- und Suchtbericht 2019 der deutschen Bundesregierung zu geben.

E-Zigarette vs. Tabakerhitzer – der Vergleich

Der alljährlich erscheinende Drogen- und Suchtbericht der Deutschen Bundesregierung bewertet Risiken, die von dem Genuss verschiedener legaler und illegaler Substanzen ausgehen.

(Quelle: https://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Drogenbeauftragte/4_Presse/1_Pressemitteilungen/2019/2019_IV.Q/DSB_2019_mj_barr.pdf)

So wird neben Alkohol und diversen illegalen Substanzen auch Nikotin hinsichtlich seines abhängig machenden und gesundheitsschädigenden Potentials untersucht. Doch das individuelle Risiko, welches vom Nikotin ausgeht, hängt nicht nur mit dem Stoff selbst, sondern auch auf entscheidende Weise mit der Art seiner Aufnahme zusammen.

Der aktuelle Bericht unterscheidet hier die Aufnahme des Nikotins durch Tabakzigaretten, Wasserpfeifen, Tabakerhitzer und E-Zigaretten. Es werden sowohl die Schadstoffgehalte der verschiedenen Technologien als auch deren Suchtpotential sowie die daraus resultierenden gesundheitlichen Risiken bewertet. Wie aus der nachfolgenden Tabelle eindeutig zu entnehmen ist, zeigt sich die ermittelte Schadstoffkonzentration bei Tabakzigaretten und Wasserpfeifen im Vergleich zu Tabakerhitzern und E-Zigaretten ungleich verstärkt.

Auszug: Drogen und Suchtbericht 2019 der Bundesregierung.

Alle gemessenen Emissionen sind hier bei um ein Vielfaches erhöht. Im direkten Vergleich mit der E-Zigarette geben jedoch auch Tabakerhitzer krebserzeugende Substanzen in deutlich größeren Mengen ab.

So ist der Formaldehyd-Wert um den Faktor 10, der Acetaldehyd-Wert bei Tabakerhitzern im Vergleich zur E-Zigarette gar um das Hundertfache erhöht.

Die E-Zigarette schneidet hinsichtlich des Schadstoffgehaltes im Vergleich zu allen anderen Techniken demnach mit Abstand am besten ab.

Auch das Suchtpotential wird von der Deutschen Bundesregierung bei E-Zigaretten am geringsten eingeschätzt. Während Tabakzigaretten, Wasserpfeifen und Tabakerhitzer allesamt mit einem sehr hohen Suchtpotential bewertet werden, wird dieses bei E-Zigaretten lediglich als „vorhanden“ beschrieben.

Der entscheidende Vorteil von E-Zigaretten ist hier, dass beim Dampfen keine Pyrolyseprodukte entstehen. Pyrolyseprodukte sind Stoffe, die bei Erhitzung und Verbrennung von organischem Material (bspw. Tabak) entstehen. Diese Stoffgemische verstärken in Kombination mit dem aufgenommenen Nikotin auf entscheidende Weise das Abhängigkeitspotential. Zudem kann die Nikotinkonzentration bei E-Zigaretten Liquids exakt reguliert und so kontinuierlich gesenkt werden.

Gerade für Menschen, die nicht nur kurzfristig eine Alternative zur Tabakzigarette suchen, sondern tatsächlich langfristig gänzlich vom Nikotin loskommen wollen, empfiehlt sich daher die E-Zigarette. Denn das Suchtpotential der E-Zigarette ist deutlich geringer.

Bei Tabakerhitzern sei hingegen von einem Abhängigkeitspotenzial auszugehen, das mit der klassischen Zigarette im Wesentlichen vergleichbar ist. In der dritten Kategorie, nämlich der Bewertung der gesundheitlichen Risiken, wird einzig die herkömmliche Tabakzigarette als „sehr hoch“ eingeschätzt, während das Gesundheitsrisiko von Wasserpfeifen lediglich noch als „hoch“ beschrieben wird.

Dies liegt jedoch nicht an den tatsächlich ermittelten Schadstoffen (denn diese sind im Vergleich zur Zigarette bei der Wasserpfeife sogar höher), sondern wird damit begründet, dass der Konsum von Wasserpfeifen im Vergleich zur Tabakzigarette zumeist weniger regelmäßig ausfällt.

Während bei Tabakerhitzern geeignete Modelle zur Risikobewertung noch fehlen und daher heute unklar ist, ob die geringere Schadstoffexposition auch tatsächlich zu einer Verringerung der Gesundheitsschädigung führt, können die Gesundheitsrisiken der Nikotinaufnahme mit E-Zigaretten bei sachgemäßer Verwendung weitgehend minimiert werden.

Bei E-Zigaretten gebe es lediglich hinsichtlich einer langfristigen Nutzung noch Klärungsbedarf. Nach aktuellem Wissensstand scheint die E-Zigarette demnach die am wenigsten schädliche Möglichkeit der Nikotinaufnahme.

Fazit: E-Zigarette ist die beste Alternative, Tabakzigaretten und Wasserpfeifen weit abgeschlagen

Bei Tabakzigaretten und Wasserpfeifen wird hinsichtlich des Schadstoffgehaltes und der gesundheitlichen Risiken deutlich, dass beide Technologien aus einem vergangenen Jahrhundert stammen.

Sowohl der Tabakerhitzer als auch die E-Zigarette zeigen hinsichtlich des Schadstoffaustoßes deutliche Vorteile.

Im direkten Vergleich zwischen diesen jedoch hat die E-Zigarette auch hier klar die Nase vorn.

So sind bei dieser alle gemessenen Schadstoffgehalte mit Abstand am geringsten und die gesundheitlichen Risiken entsprechend deutlich minimiert.

Zudem ist auch das Suchtpotential der E-Zigarette dank fehlender Pyrolyseprodukte am geringsten. Dies erhöht folglich die Chance nach einem kurzfristigen Umstieg tatsächlich auch einen langfristigen Ausstieg zu schaffen und somit gänzlich vom Nikotin loszukommen.