Tote durch E-Zigaretten? Was steckt hinter den Vorfällen aus den USA?

Frau mit E-Zigarette

Tot durch E-Zigarette? Was es mit den mysteriösen Todesfällen durch das Dampfen in den USA wirklich auf sich hat: Hintergründe, Meinungen und Fakten.

Können E-Zigaretten wirklich töten? Eine kurze und klare Antwort lautet: Nein. Die medialen Berichterstattungen über den vermeintlich direkten kausalen Zusammenhang des Konsums von E-Zigaretten mit dem Auftreten bisher unbekannter Lungenerkrankungen in den USA während der letzten Wochen ließen dies dennoch vermuten. Es wurde in diesem Kontext von schweren Symptomen wie Atemnot, Herzrasen und gar von einigen Todesfällen berichtet.

Vorfälle beschränken sich auf den US-amerikanischen Raum

Obwohl nicht nur in Deutschland, sondern tatsächlich in ganz Europa, trotz Millionen von aktiven Dampfern, bislang kein vergleichbarer Fall bekannt geworden ist, hat dies nun auch hierzulande zu weitläufigen Irritationen über das potenzielle Gesundheitsrisiko der E-Zigaretten Technologie im Allgemeinen geführt. Dabei sind die genauen Ursachen der Erkrankungen bisher noch nicht hinreichend geklärt.

Klar ist: Alle den US-Behörden bekannten Erkrankten haben eine Flüssigkeit mit Hilfe einer E-Zigarette konsumiert. Unklar scheint bisher jedoch, was genau die Ursache der Erkrankungen ist.

Denn die berichteten gesundheitlichen Schäden scheinen sich auch innerhalb der USA nur auf einzelne Bundesstaaten zu beschränken. Obwohl weltweit also bereits seit etwa 10 Jahren E-Zigaretten, mit aktuell über 50 Millionen regelmäßigen Konsumenten, genutzt werden, häufen sich nun innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums und ausschließlich in dieser kleinen Region die berichteten Probleme.

Gefährlich ist nicht die E-Zigarette, sondern die verdampften Flüssigkeiten

Dies lässt den begründeten Verdacht entstehen, dass nicht die E-Zigaretten, sondern die Flüssigkeit eine zentrale Rolle beim Entstehen der Erkrankungen spielt.

So äußert sich auch Prof. Martin Storck, Facharzt für Gefäßchirurgie, in einem Interview mit dem Tagesspiegel diesbezüglich skeptisch:

“Es wäre überraschend und unplausibel, wenn mehr als zehn Jahre nach Einführung der E-Zigarette plötzlich stark gehäuft akute Erkrankungen systematisch auftreten würden.”

Eine entsprechende gesundheitliche Schädigung durch die Technologie der E-Zigarette an sich sei aufgrund des regionalen Fokus und der zeitlichen Enge also weder medizinisch noch statistisch plausibel. Wäre dies der Fall, so müssten zwangsläufig überregional, ja gar international vergleichbare Probleme auftreten.

Die Gründe wären demnach also nicht der E-Zigarette selbst zuzuschreiben, sondern vielmehr in den lokal verdampften Stoffen zu suchen.

Man kann ja auch nicht eine herkömmliche Tasse dafür verantwortlich machen, wenn jemand damit gesundheitsgefährdende Flüssigkeiten trinkt.

So argumentiert auch Prof. Dr. Bernd Mayer, Professor für Pharmakologie und Toxikologie an der Uni Graz wie folgt:

“Es gibt das Dampfen seit über zehn Jahren, E-Zigaretten sind weltweit verbreitet, es gibt 40-50 Millionen Dampfer… kein einziger Bericht [sprach] jemals über derartige Erkrankungen. Und jetzt plötzlich innerhalb weniger Wochen in den USA geht es auf einmal los… Es ist erstaunlich, dass man das wirklich glaubt und nicht hinterfragt.”

Ursache offenbar illegal produzierte THC-haltige Flüssigkeiten

Mittlerweile ist zudem klar, dass die meisten der gesundheitlich geschädigten E-Zigaretten Nutzer in den USA illegal produzierte Flüssigkeiten mit dem psychoaktiven Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert hatten. Dabei ist jedoch nicht das Verdampfen von natürlichem THC das eigentliche Problem, sondern die uneinheitliche Regulierung dieser psychoaktiven Substanz in den einzelnen US-Bundesstaaten sowie dessen negative Auswirkungen auf staatliche Kontrollmechanismen. Während in einigen US-Bundesstaaten der Verkauf von entsprechenden THC-Produkten erlaubt und reguliert ist, bleibt dieser in anderen Staaten verboten.

Diese unklare rechtliche Lage fördert den illegalen Handel zahlreicher Produkte auf dem Schwarzmarkt von Herstellern, die häufig gewissenlos arbeiten und unbedingt notwendige Güte- und Hygienestandards in der Produktion dieser THC-haltigen Flüssigkeiten vermissen lassen.

So kam es in den USA bereits nachweislich zu einer Beimengung von zahlreichen Inhaltsstoffen, die schwerwiegende Gesundheitsrisiken bergen. Vitamin-E-Acetat, ein geruchloses Öl, das manchen THC-Produkten beigemischt ist, könnte hier eine Rolle spielen.Auch Myclobutanil, ein bei Erhitzung hochgiftiges Pflanzenschutzmittel, wurde diesen illegal gehandelten THC-haltigen Flüssigkeiten in einigen Fällen offenbar beigemengt, um diese besser zu konservieren.

So vermutet auch Dr. Ute Mons, Leiterin der Krebsprävention beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg in einem Interview mit der Badischen Zeitung über die aktuellen Vorkommnisse in den USA, dass:

„Es fast wahrscheinlich [ist], dass Produkte verwendet wurden, die irgendwie gepanscht und verunreinigt waren.“

Zudem, so führt Dr. Mons weiter aus, wäre das Risiko hierzulande nicht in dieser Form gegeben, da

“Die Situation in Deutschland schon nochmal eine andere [ist], weil hier und inder gesamten EU seit 2016 relativ strikte Verbraucherschutz-Regeln gelten”

Und auch Prof. Dr. Wolfgang Popp, Lungenfacharzt an der Uni Wien ist sich in Bezug auf die Ursache der Problematiken sicher, dass:

“[…] in den USA ganz sicher keine gewöhnlichen[von staatlicher Seite zugelassenen] Liquids verwendet [wurden]”

Grundsätzlich andere Situation auf europäischem Markt

In Europa müssen alle Liquid und E-Zigaretten vor Einführung in den Markt bei der EU angemeldet werden. Dies ist seit der verbindlichen Einführung der EU-Tabakrichtlinie TPD2 im Jahre 2016 bereits der Fall. Die TPD2 reguliert neben technischen Eigenschaften der E-Zigarette sowie einem maximalen Nikotingehalt für Liquids auch die ausschließliche Verwendung von spezifisch kontrollierten und zugelassenen Inhaltsstoffen und verpflichtet die Hersteller zu Hygienestandards, Warnhinweisen und Beipackzetteln.

All dies ist eine Grundvoraussetzung, um die wissenschaftlich eindeutig nachgewiesenen gesundheitlichen Vorzüge der E-Zigaretten Technologie auch effektiv nutzen zu können.

Wissenschaft bestätigt eindeutig die Vorzüge der E-Zigarette

Tatsächlich kamen wissenschaftliche Studien bereits international übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass E-Zigaretten im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten nicht nur um 95% weniger schädlich sind, sondern zudem aktuell auch das bei weitem effektivste Mittel zur Raucherentwöhnung darstellen. So konnten mithilfe von E-Zigaretten doppelt so viele Raucher dauerhaft von der Zigarette entwöhnt werden wie mithilfe von alternativen Nikotinersatztherapien, wie Pflastern und Kaugummis.

Gesundheitspotential der E-Zigarette erfordert gesellschaftliche Verantwortung

Aus diesen Erkenntnissen erwächst nun jedoch auch eine klare gesellschaftliche Verantwortung. So gilt es diese vielversprechenden gesundheitspolitischen Chancen der E-Zigarette durch eine gewissenhafte Regulierung und Kontrolle zu nutzen. Hierfür bedarf es schließlich auch einer differenzierten Analyse der aktuellen Vorkommnisse in den USA. Eine voreilige und unkritische Verteuflung dieser Technologie, wie vielerorts aktuell geschehen, kommt hingegen lediglich einigen Lobbyinteressen zugute. Im Interesse der Gesundheit von Millionen aktiven Raucher kann dies jedoch nicht sein.

Vielmehr gilt es nun auch hierzulande seitens der Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser verstärkt evidenzbasierte medizinische Aufklärungsarbeit zu leisten, damit das große gesundheitliche Potenzial der E-Zigarette nicht leichtfertig verschenkt wird, sondern ein möglichst großer Teil der aktiven Raucher zum zweifellos gesünderen Umstieg auf die E-Zigarette motiviert werden kann.