Das Mentholverbot für Tabakzigaretten ist da – welche Alternativen gibt es?

“Viel Rauch” um das Mentholverbot: Zahlreiche Raucher in Deutschland rauchen Mentholzigaretten. Dabei handelt es sich bei Menthol um ein natürlich vorkommendes ätherisches Produkt, das in Minzgewächsen enthalten ist und mit Hilfe komplexer Technologien gewonnen wird. Was steckt hinter dem Verbot und welche Alternativen gibt es für Raucher?

Das Mentholverbot und die Folgen

Altkanzler Dr. Helmut Schmidt war ganz gewiss einer der berühmtesten Fans von Menthol-Zigaretten überhaupt. Es heißt, dass die Vorräte des Kettenrauchers schier überdimensional groß gewesen sein müssen. So zündete er sich seinerzeit eine Mentholzigarette nach der anderen an – und wurde sage und schreibe 97 Jahre alt. Was hätte der gute Mann wohl gesagt, dass nun das Menthol Verbot bei Zigaretten in Kraft getreten ist?

Seit dem 20. Mai 2020 ist es in der EU nicht mehr erlaubt, Menthol-Zigaretten zu verkaufen. Auslöser dafür ist die jüngst in Kraft getretene EU-Tabakproduktrichtlinie, welche ab sofort stringentere Vorschriften für Tabakwaren vorsieht. Ziel des Europäischen Gerichtshofes mit Blick auf das neue Menthol Verbot ist, offiziellen Angaben zufolge, der Schutz der Gesundheit der Verbraucher. Schon vor etwa vier Jahren hatte es heftige Diskussionen über mögliche Neuregelungen zu Tabakerzeugnissen innerhalb der Europäischen Union gegeben. Seinerzeit waren sich die Experten jedoch noch weitgehend uneins, sodass keine Entscheidung getroffen wurde. So kam man zu dem Entschluss, eine Art Übergangsphase zu etablieren, vor dem Hintergrund, sukzessive die Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen zu senken.

Das Verbot hat es in sich

Die “Schon-” bzw. Übergangsfrist ist nun abgelaufen und die neuen Gesetzesmäßigkeiten sind verabschiedet worden. Zusammen mit dem Verbot von Menthol-Zigaretten haben sich die Verantwortlichen sogar auf weitere Vorgaben geeinigt. Diese beziehen sich unter anderem darauf, dass so genannte Schockier-Fotos auf Zigarettenpackungen aufgedruckt werden müssen, um den Konsumenten die Gefährlichkeit von Zigaretten möglichst eindrucksvoll zu verdeutlichen. Dabei reicht es nicht aus, ein kleines Foto an einer x-beliebigen Stelle auf der Packung aufzubringen, sondern Zigarettenhersteller haben darauf zu achten, dass die Bildgröße mindestens 65 Prozent der Fläche einnimmt.

Wer Mentholzigaretten mag, ist angesichts der neuen Gesetzgebung sicherlich irritiert – und auf der Suche nach geschmackvollen Alternativen. Insgesamt bezieht sich das Menthol Verbot auf all jene Tabakerzeugnisse, welche

“ein charakteristisches Aroma haben oder die Aromastoffe in ihren Bestandteilen enthalten oder technische Merkmale aufweisen, mit welchen sich der Geruch oder die Geschmacks- bzw. Rauchintensität verändern lassen.”

Um es auf den Punkt zu bringen, bedeutet das, dass zwar Aromen – in welcher Form auch immer – nun nicht generell verboten sind. Vielmehr sind sie lediglich dann nicht mehr gestattet, wenn sie den Geruch, den Geschmack oder die Rauchintensität der Zigarette in einer bestimmten Art und Weise verändern.

Zigaretten und Drehtabak mit Mentholaroma dürfen in der gesamten EU endgültig nicht mehr verkauft werden. Jüngsten Statistiken zufolge sind in Deutschland mehr als 2,1 Prozent aller Raucher von dem neuen Menthol Verbot betroffen. Diese Zahlen gehen aus einer Studie des Fachmagazins “Tobacco Induced Diseases” hervor.

“Fälle der vorzeitigen Sterblichkeit” sollen mit dem Mentholverbot reduziert werden.

Genau genommen wurde das Mentholverbot bereits im Jahre 2016 in Kraft gesetzt. Seit jener Zeit waren Hersteller von Zigaretten und anderen Tabakwaren bereits verpflichtet, zwei Drittel der Vorder- und Rückseiten von Zigarettenpackungen mit aufklärenden Warnhinweisen bzw. mit Schockfotos zu bestücken.

Ist das Naturprodukt Menthol wirklich gesundheitsschädlich?

Alles, was natürlichen Ursprungs ist, kann doch nicht schlecht sein. So jedenfalls könnte man meinen. Die EU-Verantwortlichen sind in dem Zusammenhang jedoch anderer Meinung. Ihrer Ansicht nach ist das, was Menthol so “gefährlich” macht, die kühlende und Schmerz lindernde Wirkung. Auch die Tatsache, dass Menthol leicht betäubend wirkt, gefällt den Experten offensichtlich überhaupt nicht. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg gibt diesbezüglich an, dass Menthol als Zusatz in Zigaretten dazu beitrage, dass der üblicherweise eher kratzige “blaue Dunst” so leichter zu inhalieren sei. Dieser Effekt führe dazu, dass das Rauchen gerade auch für junge Menschen attraktiver werden könnte. Genau dies gälte es, um jeden Preis zu verhindern – und zwar unter anderem durch das nun geltende Menthol Verbot. Wenn man bedenkt, dass laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) pro Jahr weltweit mehr als acht Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen von Tabakkonsum sterben und dass sich diese Zahl durch den Zusatz von Menthol in Zigaretten sogar drastisch erhöhen könnte, ist das Mentholverbot durchaus gerechtfertigt.

Menthol Verbot – es scheiden sich die Geister

Den besorgniserregenden Fakten stehen andere statistische Werte gegenüber. So sind Experten der Ansicht, dass die Zahl der Raucher jüngeren Alters im Laufe der vergangenen fünf Jahre deutlich gesunken sei. Dies liege unter anderem auch daran, dass der Verkaufspreis für Tabakwaren rapide gestiegen sei. Wieder andere sind zudem der Meinung, dass hier buchstäblich “viel Rauch um nichts gemacht” werde. Das gesundheitliche Risiko von Zigaretten mit Menthol-Aroma sei in keinem Fall höher als die klassische Kippe. Alt-Kanzler Helmut Schmidt darf in dem Zusammenhang mit Fug und Recht als “leuchtendes Beispiel” für eine langjährige Gesundheit erwähnt werden… Tatsächlich ist die Raucherquote nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit Blick auf die 12- bis 17-jährigen Konsumenten seit 2001 bis 2018 von sage und schreibe 27,5 Prozent auf 6,6 Prozent gesunken.

Ein Verzicht auf “Menthol” ist trotz Verbot nicht erforderlich

In Anbetracht der Tatsache, dass man auf Regierungsebene nun bereits über einen so langen Zeitraum hinweg über ein Menthol Verbot nachgedacht hat, waren auch die Hersteller von Zigaretten und Tabakwaren nicht untätig. Kurz vor Inkrafttreten der Gesetzgebung haben sich, Herstellerangaben zufolge, noch viele Raucher kräftig mit Mentholzigaretten “eingedeckt”, um so zumindest noch eine Zeitlang ihre Produkte konsumieren zu können. Andererseits haben sich auch Menthol-Alternativen am Markt etabliert.

Alternative 1: Aromakarten für Zigarettenpackungen

Einige Hersteller von Tabakwaren warten mit so genannten Menthol-Steckkarten auf. Diese bräuchten lediglich etwa ein bis zwei Stunden vor dem geplanten Konsum einer Zigarette in die Zigarettenschachtel gesteckt werden, um das volle Menthol-Aroma genießen zu können. Immer mehr Rauchwarenproduzenten springen aktuell auf diesen “Zug” auf und bieten solche Karten an. Sie sind leicht zu händeln und bestechen durch ihre besonders aromatischen Wirkeffekte.

Alternative 2: Die E-Zigarette

Auch die E-Zigarette hat mit Blick auf das Mentholverbot eine Menge zu bieten. So bringt die elektronische Zigarette – je nach Hersteller – nicht nur eine riesige Vielfalt an Aromen mit sich, sondern sie gilt außerdem als weniger gesundheitsschädlich, als der herkömmliche “blaue Dunst”. Britische Forscher der Regierungsagentur Public Health England haben sogar herausgefunden, dass die Gesundheit durch E-Zigaretten um bis zu 95 Prozent weniger belastet werde. Dass der zigarettentypische Qualmgeruch beim Dampfen der elektrischen “Fluppe” ausbleibt, ist ebenfalls ein Punkt, der für sich spricht.

Alternative 3: Nikotin-Pouches

Nikotin-Pouches ist eine weitere beliebte Alternative, die man in Zeiten des Menthol Verbotes ausprobieren kann. Hierbei handelt es sich um Nikotin-Säckchen, die man ankauen und bis zu einer halben Stunde im Mund behalten kann. Interessanterweise enthalten sie keinen Tabak, sondern aus der Tabakpflanze extrahiertes Nikotin. Darüber hinaus sind Cellulose und unterschiedliche Aromen enthalten. Der Inhalt dieser Beutelchen ist weiss, sodass eine bräunliche oder gelbliche Verfärbung der Zähne nicht grundsätzlich befürchtet werden muss.

Egal, ob E-Zigaretten mit Menthol-Aroma, Nikotin-Pouches oder Aromakarten mit Menthol-Geschmack: Es gibt zumindest Alternativen für die jetzt verbotene Menthol-Zigarette.